Es ist nicht unsere Aufgabe die Zukunft vorauszusehen, sondern sie zu ermöglichen
Antoine de Saint-Exupéry
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Eine vergessene strategische Lektion, die Maginot Linie

Systemdenken ist nötig

 

 

 

Kurzfassung

"Ihr müsst aus den Fehler Anderer lernen. Ihr werdet nie lange genug leben um diese Fehler alle selber zu machen !" (Sam Levenson, amerikanischer Humorist)

Unsere Ahnen haben manchmal gravierende Fehlentscheidungen gemacht. Ohne konsequente Analyse, sind wir verdammt diese Fehlentscheidungen zu wiederholen !

Aus französischer Sicht, ist die französische Niederlage 1939 die Konsequenz der Verwechselung zwischen

  • einem total verinnerlichtem, nicht verhandelbaren, zweifelsohne ehrbaren politischen Objektiv: der Erhalt des Friedens, und
  • einer spezifischen Strategie, die Maginot Linie, die zu Unrecht als die einzig mögliche Strategie empfunden wurde

Heute wissen wie es weiterging !

Wenn wir in die Zukunft schauen, sollte uns die französische Ligne Maginot Erfahrung lehren, sogenannte "Evidenzen" in Frage zu stellen und, insbesondere für Verantwortliche, die Qualität der Entscheidungen zu begutachten.

Objektive und Strategie unterscheiden

Mein französischer Grossvater war als Militärarzt in Verdun während des ersten Weltkrieges und wurde dort schwer verletzt; die Familie meiner Mutter erlebte, im Keller, 1943 wie eine Bombe das Familienhaus zerstörte; mein luxemburgischer Vater war Zwangsrekrutierter während des zweiten Weltkrieges. Seit meiner kleinen Kindheit, wurde alles, wirklich alles getan um mir den "Horror des Krieges" zu vermitteln.

Ich bin in diesem Umfeld aufgewachsen und kann sehr wohl diese politischen Zielsetzungen leben

Aber wenn wir unbedingt ein Ziel erreichen wollen, sind wir deswegen besser vorbereitet um es zu erreichen ?

Intuitiv, wissen wir dass das nicht stimmt !

Und vielleicht mehr als Andere, habe ich die psychologischen Grenzen erlebt die ein sehr verinnelichtes Engagement bringt ! Deswegen auch dieser Artikel mit dem Zitat von Sam Levenson !

Die französischen Entscheider

Nichts legt die Idee nahe dass die damaligen französischen Entscheider unfähig gewesen seien.

André Maginot, ein Doktor der Rechte, dekoriert für seinen Mut im ersten Weltkrieg, war einer der Kriegsministern die sich mit diesem Vorhaben befassten. André Maginot war ein kultivierter Mann und ein mutiger Krieger.

Unterstaatssekretär im Kriegsministerium 1914, ging er mit 37 Jahren freiwillig an die Front um einen Hinterhalts-Krieg zu führen. In seinen Kriegsmemoiren, "Carnet de patrouille", "fürchtet Maginot nicht sich zu beschreiben wie er tötet (Seite 114, 115, 152); nein, er rühmt sich damit. Bei Maginot findet man keine Spuren von Autozensur wegen retrospektiver Schuldgefühle" (von mir übersetztes Zitat von der Webseite des CRID 14-18)André Maginot führte Krieg ohne moralische Selbstzweifel.

Und dieser Krieger André Maginot hat sich stark für das Projekt "Ligne Maginot" engagiert (die über übrigens erst nach seinem Tod 1932 so umbenannt wurde)

Sein Vorgänger und Nachfolger als Kriegsminister war Paul Painlevé. Paul Painlevé und André Maginot schätzten sich gegenseitig und halfen sich gegenseitig obwohl sie verschiedenen politischen Parteien angehörten.

Und der Professor und Akademiker Paul Painlevé hatte die mathematischen Differentialgleichungen erstellt die die Strömungsmechanik des Flugs eines Flugzeuges beschreiben. Der Professor Painlevé war auch der erste Passagier der mit den Brüdern Wilbur und Orville Wright, die Pioniere der Luftfahrt, flog.

Sichtlich wusste Paul Painlevé was ein Flugzeug war. Trotzdem, war er, zusammen mit dem draufgängerichem André Maginot, ein sehr kompetenter und respektierter Architekt eines Fehlplanung die das Luftfahrtrisiko nicht berücksichtigte.

Erinnern wir daran dass der General Charles de Gaulle der Einzige war der vor dem zweiten Weltkrieg forderte, Frankreich sollte sich mit Panzern ausrüsten um die deutschen Kräfte zu kontern. Es scheint dass auch er nicht den Einfluss der Luftfahrt auf die Kriegsführung erkannt hätte. Es wäre nur die Ausgabe nach dem zweiten Weltkrieges seines Buches “Vers l'armée de métier“ die die Luftfahrt erwähnt hätte. Ich erwähne dies nicht um die Verdienste von General de Gaulle zu schmälern, sondern um zu zeigen wie schwierig es sogar für sehr grosse Männer ist, die Zukunft zu erahnen

Die Maginot Linie war weitgehend akzeptiert

Die öffentliche Meinung denkt heute dass die Maginot Linie ein Irrtum war, dass man hätte merken müssen dass die Hitler-Armeen diese Befestigungen mit ihren Flugzeugen und Panzern umgehen konnten. Ohne es ausdrücklich zu erwähnen, wird die Unfähigkeit der damaligen französischen Entscheider unterstellt.

Nach einigen anfänglichen taktischen Meinungsunterschieden in den zwanziger Jahren, wurde diese pharaonisches Projekt von der gesamten politischen Klasse getragen. Es war nicht der Ausdruck einer Spinnerei von ein Paar Verrückten. Auch wenn es nachträglich “klar” ist dass die Hitler-Armeen 1939 neben, insbesondere durch Luxembourg und Belgien, und über durch die Luftwaffe in Frankreich eindringen konnten.

Das Projekt “Ligne Maginot” wurde 1929 mit erhobener Hand von der Assemblée Nationale und mit 270 zu 20 Stimmen vom Senat gestimmt. Fast alle waren einverstanden.

Zugrunde lag bei der Entscheidung zum Bau der Ligne Maginot die implizite Hypothese dass Hitler nicht anders tun konnte als der Ligne Maginot durch eine andere deutsche Linie zu antworten. Nach der französischen Denkart hätte Deutschland die bestehende deutsche Siegfried-Linie ausbauen sollen.

Aber Hitler war nicht Daladier. Und Hitlers Objektiv war der Angriff, nicht die Verteidigung ! Das Hitler-Deutschland baute Panzer und Flugzeuge und entwickelte eine Strategie die die grossen Investitionen Frankreichs nutzlos, ja de facto ungeschehen machte.

Wie nobel auch die verfolgten Ziele waren, die Maginot Linie ist ein gewichtiger strategischer Rückschlag für Frankreich gewesen.

Bessere Entscheidungen heute ?

Anstelle die vorherigen Generationen zu unterschätzen, sollten wir die Qualität unserer aktuellen Entscheidungen überprüfen. Haben wir einen Grund um anzunehmen dass wir bessere Entscheidungen als unsere Vorfahren treffen ?

Das scheint zweifelhaft zu sein denn wir irren uns immer wieder in grundlegenden Entscheidungen :

Einige Präzisionen

In einundsechzig Jahren, haben wir vier Kernschmelzen von Atomzentralen mit massiven Radioaktivitätaustritt überlebt. Laut euronuclear.org, (Zahlen vom 2ten July 2012), sind jetzt 435 Atomreaktoren in Betrieb. In der Annahme dass alle diese Reaktoren seit 1951 in Betrieb gewesen wären, hätten wir 4 Kernschmelzen für 435 Atomreaktoren * 61 Jahre Betriebsdauer = 1 Kernschmelze pro Atomreaktor alle 6634 Jahre. Verglichen mit einer Kernschmelze pro eine Million Jahre, sind die initialen Schätzungen 150 mal zu optimistisch ...

Wenn wir jetzt auch noch berücksichtigen dass diese Atomreaktoren nur graduell in Betrieb genommen wurden, müssen wir diesen Irrtumsfaktor 150 mal 3 multiplizieren. Die empirische Erfahrung zeigt dass wir also diese vitale Überlebensfrage etwa 450 bis 500 mal unterschätzt haben.

  • Atom-Energie ist immer als ein kontrollierbares Risiko dargestellt worden.

    Um die Fakten in Perspektive zu setzen, ein seriöses wissenschaftliches Buch für Kinder, in den sechziger Jahren gedruckt, zeigte dass etwa um das Jahr 2000, ein Auto mit einen kleinen nuklearen Reaktor angetrieben werden würde. Das würde es dem Auto ermöglichen ungefähr 20.000 km ohne Auftanken zu fahren ;)))

    Ältere Personen werden sich daran erinnern dass in den sechziger Jahren erklärt wurde dass die Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelze in einer Atomzentrale mit massiven Austritt von Radioaktivität auf einen Unfall (ein GAU, oder SuperGAU) pro eine Million Jahre Betrieb geschätzt wurde.

  • Grundsätzlich ist die europäische Konstruktion eine Strategie um einen neuen Krieg zu verhindern. Der Euro ist eine Strategie um die europäische Integration zu festigen. Zumindest zurzeit, ist der Euro im Widerspruch mit den anfänglichen Zielen der Gründerväter Europas, i.e. den Frieden erhalten

    Die immer stärker werdende europäische Integrationsstrategie ist zum Selbstzweck geworden

    Genau wie bei der Maginot-Linie wurde das eigentliche Objektiv aus den Augen verloren. In beiden Fällen war das Okjektiv den Frieden zu wahren.

    Leider ist dieses Phänomen üblich; wissenschaftliche Forschungen bezeugen dass der Mensch, einschliesslich der Politiker, sehr irrational bei Entscheidungen über Leben und Tod vorgeht. (siehe die neuen Entdeckungen der Psycho-Öekonomie zB die Perspektiven Theorie, Schwarzen Schwäne und Group-Think)

Was tun ?

Wichtige Entscheidungen, insbesondere über Leben und Tod, sind nie einfach.

Bei den Gesprächen über die erste Version dieses Artikels, spürte ich dass etliche Leidenschaften hochkamen. Psychologisch ist das verständlich: wir tragen das Leben unserer Vorfahren in uns. Und irgendwie, fühlen wir uns für diese nicht gelebte Vergangenheit verantwortlich.

Lasst uns wirklich verstehen: Wenn wir unsere Ängste nicht annehmen können, sind wir unfähig faktisch zu analysieren und diese Unfähiogkeit erhöht die Wahrscheinlichkeit von Katastrophen.

Und lasst uns akzeptieren dass wir, genau wie die vorherigen Generationen, unfähig sind durchzusetzen wie die nachfolgenden Generationen ihrerseits die Welt verwalten sollen !

Es ist deren Leben !

Alle Märchen enden mit der rituellen Formel : "Sie wurden glücklich und bekamen viele Kinder." Wie ein junger Kollege es sehr schön formulierte: Viele Leute denken dass, wenn das nächste Problem bis gelöst ist, die Geschichte stehen bleiben wird ;)

Wobei wir nie vergessen sollten, dass wir nicht den Frieden der zukünftige Generationen schliessen können. Wie ehrbar dieser Wunsch auch sei, er ist unerfüllbar und gefährlich. So könnte eine komplette europäische Integration eventuell im Prinzip jeden externen Krieg verhindern.

Aber schwarze Schwäne wird es immer geben. Zum Beispiel zeigt uns die amerikanische Geschichte dass Zivilkrieg, wo Brüder gegen Brüder kämpfen, noch schlimmer als ein externer Krieg ist.

Wissenschaftliche Forschungen sollten uns zur Vorsicht leiten. Der folgende Link zeigt Ihnen eine kurze Zusammenfassungen der Forschungen bezüglich irrationaler Entscheidungen

Wie irrational sind wir: die Antwort der Psycho-Ökonomie